Italien – das Land der Kunst, der Eleganz und der kulinarischen Perfektion. Michelangelo schuf hier Meisterwerke, Dante schrieb die „Göttliche Komödie“ und in Florenz oder Venedig fühlt man sich wie in einem lebendig gewordenen Renaissancegemälde. Doch wer genauer auf die Landkarte schaut, entdeckt Orte, deren Namen eher nach einem schlechten Wortwitz oder einem Übersetzungsfehler klingen.

Denn zwischen klangvollen Städten wie Roma, Venezia oder Firenze finden sich Dörfer, die klingen, als hätte jemand beim Scrabble geschummelt: Manche Namen sorgen für verschämtes Kichern, andere lassen einen nur verwirrt zurück. Von Sesso über Bastardo bis hin zu Gnocca – hier sind zehn Orte, die so witzig sind, dass man fast hinreisen muss, nur um ein Ortsschild-Foto zu machen.

Sesso ist viel zu schnell vorbeigerauscht? Dann lohnt es sich, noch Zeit in der Umgebung zu verbringen: z.B. im schönen Reggio Emilia (Foto), in Parma oder Modena.
Foto: Brigitte Aguilera

1. Sesso (Emilia-Romagna) – Das Dorf, das an die Fortpflanzung erinnert

Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus: Ja, dieser Ort heißt wirklich „Sesso“ – was im Italienischen genau das bedeutet, was man denkt: Sex. Wer hier wohnt, muss bei jeder Adressangabe mit einem schiefen Grinsen rechnen. Doch der Ursprung des Namens ist weit weniger anzüglich: Wahrscheinlich leitet er sich vom lateinischen „sextum millarium“ (sechste Meile) oder von „sessus“ (Ablagerung) ab. Das Dorf ist also nicht benannt nach der schönsten Nebensache der Welt, sondern schlicht nach einer römischen Entfernungsmessung. Trotzdem bleibt Sesso wohl der Favorit für alle, die bei Ortsnamen gerne erröten.

2. Gnocca (Venetien) – Mehrdeutig und nicht ganz jugendfrei

Gnocca liegt im Po-Delta und klingt auf den ersten Blick harmlos – doch im Italienischen ist „Gnocca“ ein saloppes Wort für eine attraktive Frau. Allerdings kann der Begriff je nach Kontext auch eine weitaus pikantere Bedeutung haben: Wer also erzählt, dass er seinen Urlaub in Gnocca verbringt, sollte sich auf fragende Blicke einstellen. Zum Glück liegt der Ort so abgelegen, dass sich hier wohl selten jemand versehentlich hinverirrt.

Da die Sehenswürdigkeiten in Bastardo überschaubar sind, lohnt sich ein Ausflug in die Umgebung. Zum Beispiel nach Assisi (Foto) oder Perugia (beides etwa 40 Autominuten).
Foto: Achim Ruhnau

3. Bastardo (Umbrien) – Kein Ort für empfindliche Seelen

Es gibt Dörfer, die charmante Namen tragen – und dann gibt es Bastardo. Der Name klingt wie eine wütende Schimpftirade, doch die Geschichte dahinter ist harmloser: Ursprünglich gab es hier nur eine kleine Gaststätte mit dem Namen „Osteria del Bastardo“, also „Wirtshaus des Bastards“. Woher der Name kam? Unklar. Vielleicht hatte der Wirt einfach einen miesen Tag. Heute ist Bastardo ein kleines 1.500-Seelen-Nest in Umbrien – mit einer Kirche, einem Marktplatz und einer Menge Leute, die sich wahrscheinlich langsam daran gewöhnt haben, dass ihr Wohnort nicht gerade edel klingt.

4. Capracotta (Molise) – Die gekochte Ziege

Ebenfalls in der Provinz Isernia unweit von Capracotta liegt auch der Ort Pietrabbondante, was soviel wie “Stein im Überfluss” bedeutet. Hier ist der Name Programm.
Foto: Lorenzo Lamonica

Capracotta klingt nach einem außergewöhnlichen Gericht aus der rustikalen Landküche. Tatsächlich bedeutet der Name wörtlich „gekochte Ziege“. Das Dorf liegt auf fast 1.750 Metern Höhe und ist im Winter regelmäßig tief verschneit – ob das etwas mit dem merkwürdigen Namen zu tun hat, ist nicht sicher. Einer Legende nach wollten hier Nomaden eine neue Siedlung gründen und opferten eine Ziege. Diese sprang jedoch über das Feuer, rannte los und genau dort, wo sie stehen blieb, wurde das Dorf gegründet. Das ist zwar eine kreative Entstehungsgeschichte, aber eine Garantie für ziegenfreie Speisekarten gibt es trotzdem nicht.

Woher der Name “Belsedere” kommen mag, lässt sich beim Anblick der geschwungenen Landschaften schon erahnen…
Foto: Wolfgang Hasselmann

5. Belsedere (Toskana) – Wo man einen schönen Hintern hat

Die sanften Hügel der Toskana sind ein Augenschmaus, aber dieser Ort setzt noch einen drauf: Belsedere bedeutet übersetzt „schöner Hintern“. Ob die Landschaft hier besonders wohlgeformt ist oder die Einwohner einen außergewöhnlich guten Sitzfleisch-Genpool haben, bleibt offen. Sicher ist, dass der Name für viele Schmunzler sorgt. Wer also jemals gefragt wird, wo er seinen Urlaub verbringt – „Belsedere“ klingt nach Selbstbewusstsein!

Moncucco liegt in der traumhaften Region um Asti. Prost! 🍾
Foto: Igor Bragato

6. Moncucco (Piemont) – Ein Hügel mit einem fragwürdigen Namen

Moncucco mag in seiner piemontesischen Landschaft friedlich wirken, doch für Italiener klingt der Name… nun ja, ziemlich albern. „Cucco“ kann umgangssprachlich für jemanden stehen, der nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Übersetzt bedeutet Moncucco also so etwas wie „dummer Hügel“. Ob die Bewohner sich über diese Namensgebung freuen, ist fraglich – aber zumindest ist es ein Dorf, das man nicht so schnell vergisst.

7. Troia (Apulien) – Ein Name, zwei Bedeutungen

Troia ist eine historische Stadt in Apulien mit einer beeindruckenden Kathedrale – doch wer kein Altgriechisch kann, dürfte bei diesem Namen eher an ein anstößiges Schimpfwort denken. Denn im heutigen Italienisch bedeutet „Troia“ nicht nur „Troja“, sondern auch… eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für eine Frau von zweifelhaftem Ruf. Zum Glück sind die Einheimischen daran gewöhnt, dass Besucher beim Ortsnamen erstmal irritiert gucken.

Fiumelatte in der Region Varenna. Der schäumende Bergbach ist Namensgeber für diesen Ort in der Lombardei.
Foto: Renato Muolo

8. Fiumelatte (Lombardei) – Ein Fluss voller Milch?

Fiumelatte klingt nach einem Paradies für Kaffeeliebhaber: „Milchfluss“. Doch statt Cappuccino-Schaum gibt es hier nur einen sehr kurzen, aber beeindruckenden Wildbach, der schäumend aus den Bergen schießt. Dass er nur von März bis Oktober fließt, macht ihn umso rätselhafter. Der Name rührt daher, dass das Wasser so weiß und aufgewühlt ist, dass es an Milch erinnert – wenn auch ohne Espresso.

9. Purgatorio (Kalabrien) – Ein Urlaub im Fegefeuer

Ein Dorf namens „Purgatorio“ (Fegefeuer) klingt nicht gerade nach einer entspannten Ferienidylle. Tatsächlich ist der Ort aber ein friedlicher Weiler in Kalabrien, umgeben von Olivenhainen und mit mehr Sonne als Sünde. Warum er diesen düsteren Namen trägt, weiß niemand so genau – aber vielleicht wollte man den Teufel einfach nicht herausfordern.

In der Nähe von Panicagloria locken traumhafte Orte wie Pistoia und Montecatini Alto (Foto). Letzterer Besucher zu einer Funicolare-Fahrt und einen Bummel durch die auf einem Hügel gelegene, historische Altstadt ein.
Foto: Anton Lammert

10. Panicagliora (Toskana) – Panik garantiert?

Wer denkt, dass Italien nur „Dolce Vita“ bedeutet, hat wohl noch nie von Panicagliora gehört. Der Name klingt, als ob man hier ständig in Panik ausbrechen müsste – doch keine Sorge, das Dorf in der Toskana ist eigentlich ein friedlicher Ort. Der Ursprung des Namens ist nicht ganz klar, aber er sorgt garantiert für Schmunzler. Wer sich also jemals gefragt hat, wo der perfekte Ort für einen Nervenzusammenbruch ist – willkommen in Panicagliora!